ERASMUS
Erfahrungsberichte
Erfahrungsbericht über meinen Erasmusaufenthalt in Catania im Wintersemester 2004/2005
Wer vor hat, über das Erasmusprogramm einen Auslandsaufenthalt in Italien durchzuführen, sollte sich, wenn die Wahl auf Catania fällt, im Klaren darüber sein, daß Sizilien in mehrerer Hinsicht eine eigene Welt ist.
In Sizilien zu leben bedeutet, sich jeden Tag mit dem Chaos auseinandersetzen zu müssen, nicht nur im Alltag, sondern (ganz besonders) auch an der Uni.
Das Chaos beginnt noch vor der Abreise bereits bei der Erledigung der Formalitäten. Das "learning agreement", das sich zwar relativ leicht über die Homepage der Uni Catania finden läßt, kann via Internet verschickt werden (Achtung, funktioniert nur wenn die Datumsangabe nach Vorbild durchgeführt wird!!! Wer nämlich zwischen die Zahlen Punkte setzt, bekommt eine Fehlermeldung) hat allerdings auch einige Haken.
Zum einen wird darin nach den Kursen gefragt, für die man sich entschieden hat, obwohl eine Erstellung des Semesterstundenplanes oft erst unmittelbar (in meinem Fall eine Woche und weniger) vor Kursbeginn möglich ist. (s.u.)
Zum anderen kann es irreführend werden, wenn es um die Anmeldung zum Italienischkurs geht. Für die Sprachkurse existiert nämlich ein extra "learning agreement", das man, wenn man davon weiß, nach langem Suchen ebenfalls über die Homepage der Uni findet. Hier kann man sich für einen 4-wöchigen "Intensiv-" Sprachkurs anmelden, der ca. drei Wochen vor den Vorlesungen beginnt und folglich eine Woche in die Vorlesungszeit hineinreicht. (Achtung, Anmeldung ist obligatorisch, Deadline ist ca. 6 Wochen vor Kursbeginn!).
Im vergangenen Wintersemester fand dann am "Welcomeday" eine Art Einstufungstest statt. (Anfänger ohne/mit wenig Vorkenntnissen und Fortgeschrittene mit mittleren/guten Vorkenntnissen). Man sollte sich aber nicht zu viel von diesen Kursen erwarten, denn obgleich dieser an drei Nachmittagen à vier Stunden pro Woche durchgeführt wird ist der Lernerfolg doch eher gering. (Wer über Vorkenntnisse im Niveau von "Unicert 2" verfügt, wird nicht die Gelegenheit haben noch etwas zu lernen.) Zudem läßt es sich terminlich nicht vermeiden, die einführenden Vorlesungen zu versäumen.
Allerdings bietet die Uni keine semesterbegleitenden Kurse an, so daß dieser die einzige Möglichkeit ist, lernerisch etwas für die Sprachkenntnisse zu tun. Außerdem liefert der Kurs natürlich die Möglichkeit, andere Erasmusstudenten kennen zu lernen (Catania ist fest in spanischer Hand, mehr als 100 der 140 Erasmusstudenten kamen aus Spanien, nur 8 aus Deutschland!).
Über die Homepage werden auch Zimmer im Studentenwohnheim vermietet. Als erste Anlaufstelle sind diese Angebote ganz dienlich, da alle Erasmusstudenten im gleichen Wohnheim untergebracht werden. Viele schließen sich dann zu Wohngemeinschaften zusammen und suchen gemeinsam eine private Unterkunft, da die Wohnheimzimmer sehr klein, nicht unbedingt billig und meines Wissens alles Doppelzimmer sind.
Nach der Ankunft in Catania sollte man sich zunächst an die Beauftragte für Erasmusangelegenheiten der Uni wenden (Via A. di San Giuliano, unmittelbar im Zentrum gelegen), um die restlichen Formalitäten zu klären.
Ungefähr drei Wochen vor Beginn der Vorlesungen fand der bereits erwähnte Welcomeday statt. Es wird von den Studenten erwartet, an dieser Einführungsveranstaltung teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit wird auch der "Libretto" an die Studenten ausgehändigt, der in Italien als Studentenausweis gilt. (Was aber nur möglich ist, wenn man vorher die oben genannten bürokratischen Angelegenheiten erledigt hat).
Neben dem offiziellen Empfang seitens der Uni waren auch ehemalige Erasmusstudenten der Uni Catania vertreten, um die fremden Studenten mit hilfreichen Informationen rund um den studentischen Alltag zu versorgen.
Neben der Begrüßungsveranstaltung wurden besonders in der Anfangszeit diverse Aktivitäten organisiert (Kennenlernpartys, Stadtführung und ein Wochenende in Neapel) um den Einstieg zu erleichtern.
Um einen Stundenplan erstellen zu können, mußte ich mich allerdings bis Mitte Oktober gedulden. Zwar konnte man sich schon einige Zeit früher des "Vademecum", eine Art Vorlesungsverzeichnis, besorgen (liegt in den Buchläden für die Studenten aus), in dem die angebotenen Kurse mit jeweiligem Lerninhalt und ECTS-Punktevergabe aufgeführt werden, allerdings fehlen in diesem die Kurstermine. Nachdem aber die Vorlesungen anders als bei uns nicht einmal wöchentlich sondern bis zu dreimal wöchentlich stattfinden, und meist zur gleichen Zeit, ist es ungleich schwieriger gewesen, einen Stundenplan zu erstellen. Die endgültigen Termine waren über die Homepage erst ca. eine Woche vor Vorlesungsbeginn einzusehen.
Der universitäre Ablauf entspricht dem deutschen sehr wenig. (ich kann natürlich nur für meine Fakultät "lettere e filosofia" sprechen). Es finden keine Seminare statt, sondern ausschließlich Vorlesungen, die wenig besucht werden (pro Vorlesung ca. 10-30 Studenten). Die Inhalte beschränken sich meist auf Vermittlung von Basiswissen und die Professoren wirken wenig engagiert.
Die Bibliothek funktioniert noch nach einem sehr altertümlichen System bestehend aus vielen Zetteln und wenig Organisation (einen Opac kann man nicht erwarten!!).
Als positiven Aspekt würde ich die niedrigen Lebenshaltungskosten betrachten. Lebensmittel und Mieten sind deutlich billiger als in Erlangen, wer aber gerne ausgeht, muß in Kneipen mit ähnlichen Preisen wie hier rechnen.
Abschließend würde ich sagen, daß es sicher nicht leicht ist, in Sizilien einen Einstieg zu finden, da die Unterschiede zu Deutschland doch sehr groß sind, allerdings sind es eben diese Unterschiede, die den Aufenthalt in Catania so interessant machen.